Vorurteil: „Von einer Abhängigkeit in die andere.“
Beim Einsatz von IT befinden sich Kommunalverwaltungen immer in einer Art „Abhängigkeitsverhältnis“. Unter „Digitaler Souveränität“ wird daher das selbstbestimmte „Steuern von Abhängigkeiten“ verstanden:
Ein bewusster Umgang mit Abhängigkeiten in der Digitalisierung setzt die Einsicht voraus, dass Abhängigkeiten unvermeidbar und nicht in jedem Fall problematisch sind. Vielmehr geht es um die planvolle Wahl von Abhängigkeitsgraden.
— Kar/Thapa: Digitale Souveränität als strategische Autonomie. Umgang mit Abhängigkeiten im digitalen Staat.
Beim Einsatz von Open-Source-Software (OSS) beschränkt sich das Abhängigkeitsverhältnis lediglich auf eine „Dienstleisterabhängigkeit“. Denn der Software-Code an sich ist öffentlich. Das heißt auch, dass mit Betrieb, Weiterentwicklung oder Support unterschiedliche IT-Dienstleister beauftragt werden können, ohne die IT-Struktur der Verwaltung durch vollkommen neue Programme grundsätzlich verändern zu müssen.
Dafür ist allerdings frühzeitig zu betrachten, wie „vital“ ein Open-Source-Projekt ist: Wenn es sich um eine Lösung von nur einer Handvoll Entwickler handelt, ist dies problematisch für einen professionellen Betrieb in der Verwaltung. Dies gilt im Übrigen auch für proprietäre Software und ist häufig bei Anbietern von „Nischenprodukten“ der Fall. Wenn hingegen eine große, durchaus auch kommerzielle, Community hinter der Lösung steht und mit dem Code arbeitet, dann ist ein nachhaltiger Einsatz in der Verwaltung möglich.
Dies ist im Rahmen einer üblichen Marktrecherche zu evaluieren und kann beispielsweise aus der Aktivität in Code Repositorys wie GitHub abgelesen werden. Dabei handelt es sich um Plattformen, auf denen Open-Source-Software communitybasiert weiterentwickelt wird. Auch ein Austausch mit anderen Kommunen bietet sich dafür an.
Kurzum:
Es gibt gerade im Kontext der IT immer „Abhängigkeitsverhältnisse“. Das Risiko von Abhängigkeiten lässt sich beispielsweise reduzieren, wenn hinter einer Lösung eine große Community steht. Durch den Einsatz von OSS werden insbesondere Herstellereinschlüsse vermieden, sodass sie mit einer richtigen „Governance“ zu mehr digitaler Souveränität beiträgt.
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