Drupal

Steckbrief

Programmiersprache: 

PHP

Erstmals veröffentlicht: 

2001

Open Source seit: 

2001

Lizenz: 

Aktuelle Major Release: 

7

Registrierte User: 

> 1 000 000

Entwickler/innen: 

> 38 000

Core-Contributors: 

~ 90

Anzahl Installationen: 

> 1 000 000

Verfügbare Sprachen: 

181
31.10.2015

Ursprünglich entwickelt als studentische Communitylösung, ist Drupal dank einer äußerst aktiven Entwicklergemeinde heute eher ein Framework als ein Content-Management-System im herkömmlichen Sinn. Es eignet sich für unterschiedlichste Individualanforderungen, und überzeugt mit Flexibilität, Skalierbarkeit, Barrierefreiheit und modernsten Webtechnologien. Im weltweiten Vergleich beim Einsatz von CMS liegt Drupal auf dem dritten Platz.

Weniger ist mehr

Was Drupal wohl am stärksten von anderen Content-Management-Sytemen unterscheidet, ist die Reduktion des Kernsystems auf das Wesentliche. In einer Standardinstallation findet sich nur eine Handvoll Module, die Funktionen wie ein Suchfeld, Kontaktformular, Blog und RSS-Feeds bereitstellen. Auch diese müssen zum Teil erst aktiviert werden. An den Kernfunktionen erkennt man auch am besten, wo das System seine Wurzeln und gleichzeitig seine Stärke hat: bei der kollaborativen Inhaltserstellung („User-generated Content“).

Ausgehend von der Erfahrung, dass jedes Webprojekt etwas anders ist und dass auch Systeme mit einer Vielzahl von Standardfunktionen nicht „out of the box“ alle Anforderungen bedienen, geht Drupal konsequent den umgekehrten Weg: maximal reduziert. Alle gewünschten Funktionen werden modular installiert (über das Backend oder via FTP). Ein geflügeltes Wort der Community lautet: „Dafür gibt‘s doch ein Modul.“ Und das stimmt: unter den gut dokumentierten rund 6.000 Modulen findet man für nahezu jede Spezialanforderung eine einsatzbereite Lösung. Hier zeigt sich die Stärke von Open Source in besonderem Maße: Individualentwicklungen werden bereitwillig über die zentrale Plattform drupal.org zur Verfügung gestellt und kontinuierlich verbessert.

Wer sich das Zusammensuchen von Modulen ersparen möchte, kann auch mit einem der über 500 Installationsprofile (Profiles bzw. Distributionen) beginnen, die – ebenso kostenlos wie ihre Komponenten – auf typische Anwendungsfälle geschneiderte Lösungen anbieten, beispielsweise für Konferenzen, Verlage oder Online-Shops.

Durch den Ansatz, nur das zu installieren, was benötigt wird, profitiert Drupal von drei entscheidenden Vorteilen. Erstens Performancegewinn: Die schlanke Installation verbraucht wenig Ressourcen, während Administration und Redaktion auch nur die Funktionen sehen, die im Einsatz sind. Zweitens fällt auch nur für die benötigten Funktionen Wartungsaufwand an, während das System robust und wenig angreifbar ist. Und drittens: das System wächst mit, wenn die Anforderungen komplexer werden.

Amnesty International kämpft mit Drupal für eine bessere Welt

Umdenken und Querdenken

Auch das Bedienkonzept ist anders als das vieler CMS. Drupal unterscheidet nicht zwischen „Frontend“ und „Backend“: Über das fein granulierte Rollen- und Rechtemanagement wird abgefragt, welche Berechtigungen anonyme oder eingeloggte Benutzer haben, dann werden die entsprechenden Links/Menüs bereitgestellt. Berechtigungen werden vom Administrator entsprechend den Anforderungen gesetzt, so dass sich das System dem Einsatzzweck anpasst, nicht umgekehrt. Typische Redaktionsansichten erscheinen in einer Standardinstallation in einem eigenen Design (Theme), auf Wunsch kann das Aussehen mit einem Klick aber vollständig auf das „Frontend“-Erscheinungsbild angepasst werden.

Um einen Inhalt zu bearbeiten, navigiert ein Redakteur auf die entsprechende Seitenansicht, auf der ihm (unter Berücksichtigung der eingestellten Berechtigungen) alle benötigten Funktionen zur Verfügung stehen (z. B. Bearbeiten oder Letzte Version wieder herstellen).

Wer von anderen Systemen die Organisation der Inhalte in einer Baumstruktur kennt, wird sich in Drupal neu orientieren müssen. Das System „denkt“ nicht in Hierarchien, sondern eher in Wiederverwendbarkeit. Nichtsdestotrotz kann jeder Inhalt einen eigenen Menüpunkt erhalten. Dieser wird aber erst in dem Moment angelegt, in dem der Inhalt erstellt wird. Wer allerdings lieber einen Menübaum haben möchte, sei beruhigt: „Dafür gibt‘s doch ein Modul.“

Drupal kann Deutsch: www.duden.de

Freiheit und Flexibilität

Das System geht grundsätzlich davon aus, dass Inhalte an mehreren Stellen auftauchen können. Die Eingabemasken für den Textkörper sehen die Eingabe einer Zusammenfassung vor, die standardmäßig für den Teaser auf Übersichtsseiten verwendet wird. In einer Grundinstallation erstellt Drupal chronologische oder stichwortbasierte Übersichtsseiten. Zusammenstellungen nach beliebigen anderen Kriterien lassen sich über Module realisieren.

Ein Kernstück des Systems ist die Taxonomie (Verschlagwortung). Begriffe innerhalb von (einfachen oder hierarchischen) Vokabularen können mit beliebigen Inhaltstypen verbunden werden und ermöglichen so verschiedene gefilterte (Über-)Sichten auf die Inhalte – oder auch auf die Benutzer. Inhaltstypen können selbst nach Belieben definiert werden, wobei die Felder für die Eingabemasken einfach ausgewählt werden.

Ein Beispiel: Es wird ein Inhaltstyp „Publikation“ angelegt mit den Feldern Titel, Untertitel, Verfasser, Erscheinungsjahr, Inhaltsangabe, Publikationstyp. Das Feld Verfasser wird nicht als Freitextfeld angelegt, sondern als Referenz auf den Inhaltstyp „Autor“, in dem weitere Informationen einschließlich Foto und Lebenslauf gepflegt werden. Der Weg zu einer Publikation kann nun über verschiedene Übersichtsseiten erfolgen: Publikationen aus dem Jahr 2010, alle Beiträge von Monika Mustermann, neueste Publikationen vom Typ Fachartikel. Für die Steuerung der Zusammenstellungen können auch verborgene Felder angelegt werden.

Hierfür kommt eins der verbreitetsten Module zum Einsatz (Views, das ab Drupal 8 in den Core wandert). Es ermöglicht das individuelle „Zusammenklicken von Datenbankabfragen“ wie beispielsweise die oben beschriebenen. Weitere Zusatzmodule ermöglichen, mit Views eine ungewöhnliche Slideshows zusammenzustellen oder verknüpfte Inhalte zusammenzuführen wie etwa (um das obige Beispiel aufzugreifen) ein Autorenkurzprofil innerhalb einer Publikation.

Hinzu kommen Feinheiten wie das Ausweisen einer Übersicht als „Archiv“ in Abhängigkeit vom Erstellungszeitpunkt, ohne dass sich eine Redaktion darum kümmern müsste - oder aber das Bereitstellen individueller Filterfunktionen, mit denen die Seitenbesucher selbst steuern können, nach welchen Kriterien sie die Inhalte zusammengestellt bekommen möchten.

Administrative Ansicht: Installation einer der 181 Sprachen

Hallo Welt!

Eine große Stärke von Drupal ist die internationale Verbreitung. Eine zentrale Übersetzungsplattform ermöglicht den Ausbau und die Verbesserung der Oberflächenübersetzung ohne Vorkenntnisse, was rege genutzt wird. 181 Sprachen sind verfügbar, und Drupal schmückt sich gern damit, dass es mit 228 Nationen mehr Länder anerkennt als die internationale Staatengemeinschaft.

Da, wie gesagt, zwischen Frontend und Backend nicht unterschieden wird, ist mit jeder Sprache gleichzeitig auch die Übersetzung der Redaktionsoberfläche vorhanden. So kann z. B. jede/r in einem internationalen Redaktionsteam parallel in der eigenen Muttersprache arbeiten.

Einsatz und Verbreitung

In den seltensten Fällen wird Drupal genutzt, um statisch angelegte Seiten auszuliefern (obwohl es dazu ohne Weiteres in der Lage ist). Zumeist sind es hochdynamische Plattformen, die auf User-generated Content ausgerichtet sind oder Websites von Regierungen und Verwaltungen, die den Schritt in Richtung Bürgerbeteiligung machen, ferner Medienhäuser, Nichtregierungsorganisationen oder Universitäten.

Diese Stärke zeigt das System bereits in seiner eigenen Infrastruktur: im Unterschied zu einigen anderen Systemen wird auf drupal.org kein systemfremdes Forum oder Ticketsystem eingesetzt, sondern eine mit Bordmitteln erstellte bedarfsangepasste Lösung.

Die DrupalCon in München 2012 zählte 1.800 Teilnehmer/innen

Die besondere Community

Augenfällig bei der Auseinandersetzung mit Drupal ist die ausgesprochen kontaktfreudige Community: Neben den großen internationalen Konferenzen (die Drupalcon findet derzeit dreimal jährlich auf drei Kontinenten statt) und regionalen und überregionalen Camps (kleinere Konferenzen, teilweise auch thematisch ausgerichtet werden wie z. B. Design-Camps) oder Code-Sprints (auf einen Themenkomplex konzentrierte „Arbeitstreffen“ z. B. Multilanguage-Sprint) gibt es in den meisten größeren Städten weltweit User-Groups (mit Fokus auf Kurzvorträgen und Erfahrungsaustausch) sowie Stammtische. Experten und Spezialistinnen sind durchgängig im IRC anzutreffen und sehr hilfbereit.
Die Erkenntnis, dass gegenseitige Weiterbildung und Unterstützung der beste Weg ist, um Open-Source-Projekte insgesamt voranzubringen, hat auch eine Kultur von Screencasts und vielfältigen gut „bespielten“ Foren befördert. Radio inklusive: auf der deutschsprachigen Plattform Drupalcenter.de wird ein Podcast angeboten.

Technologie

Drupal ist größtenteils in PHP geschrieben. Dank des Datenbankabstraktionslayers kann es mit den üblichen Datenbanken wie MySQL, PostgreSQL und SQLite verwendet werden. Zusatzmodule ermöglichen auch die Anbindung an MS-SQL und Oracle. Für komfortablere Suchfunktionen wird serverseitig gern Apache Solr verwendet. Natürlich gibt es auch hierfür ein Modul.

Ausblick

Die seit 2011 in Entwicklung befindliche Version 8 integriert wesentliche Bestandteile des Symfony-2-Frameworks. Das bringt große Erleichterungen im Konfigurationsmanagement mit sich (Stichwort: Continuous Integration).

Mehrsprachigkeit, generische Unterstützung mobiler Endgeräte (vor allem auch im „Backend“) und viele Verbesserungen im UX-Design (z. B. Inline-Editing) werden Redaktionen und Seitenbesucher freuen.

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