REDAXO

Steckbrief

Programmiersprache: 

PHP

Erstmals veröffentlicht: 

2001

Open Source seit: 

2001

Lizenz: 

Aktuelle Major Release: 

4

Entwickler/innen: 

> 4 000

Core-Contributors: 

~ 10
17.05.2015

Obwohl auch die meisten Anfänger gut damit klar kommen, war REDAXO nie als Out-of-the-Box-System konzipiert, sondern sollte vor allem ein „flexibles“ Framework für Agenturen sein, die für ihre Kunden auch sehr individuelle und ökonomisch zu bedienende Webprojekte umsetzen wollen. Der Entwickler kann den ausgegebenen Code (HTML, Javascript, etc.) zu 100 % kontrollieren, was das System auch prädestiniert für barrierefreie, semantische und valide oder auf mobile Devices angepasste Websites. Auch das Backend kann angepasst und so leicht für spezielle Einsatzzwecke optimiert werden.

Anders als bei manchen anderen CMS, wo man in den mehr oder weniger fest vorgegebenen Inhaltsmodulen alle für den Redakteur nicht benötigte Felder deaktivieren muss, erstellt man in REDAXO die erforderlichen Inhaltsmodule rasch selbst. Man reduziert also nicht standardmäßig vorgegebene Module, sondern baut sie einfach von Grund auf selbst. Der Entwickler kann sowohl den Eingabe-Code eines Moduls – mit dem ein Redakteur Texte, Bilder, eine Fotogalerie, etc. in die Website integrieren kann – als auch den Ausgabe-Code – der diese Inhalte im gewünschten HTML-Format darstellt – meist in Minutenschnelle erstellen.

Die beim Installationspaket mitgelieferte Demo-Website kann daher nicht wirklich das Potential von REDAXO zeigen, da sie sich auf einige wenige, extrem einfache und mehr oder weniger zufällig zusammengestellte Module beschränkt. Auch ist es aus diesem Grund kaum möglich, ein allgemein gültiges Redaktionshandbuch zu schreiben – weil der Administrationsbereich bei fast jeder REDAXO-Website anders aussieht.

Einfach

Template- und Modulverwaltung greifen ineinander. Da man den Administrationsbereich „von unten“ aufbaut, statt ihn auf das jeweils benötigte Maß zu reduzieren, finden sich Redaktionen im Normalfall sehr schnell zurecht. Eine durchschnittliche Redakteursschulung ist meist telefonisch in einer Stunde erledigt. Wobei darauf hinzuweisen ist, dass aufgrund der nach allen Seiten hin offenen Struktur die Übersichtlichkeit des Redakteurbereichs stärker als bei anderen CMS von der Kompetenz und Weitsicht des Admini­stra­tors bzw. des Webentwicklers abhängt.

Meta-Felder

Während die klassischen Seiteninhalte (Texte, Bilder, Filme, etc.) durch die oben beschriebenen Module blockweise untereinander geschichtet werden, gibt es auch seitenspezifische Daten wie Title-Tag oder beispielsweise ein Headerbild. Für solche Fälle existieren Metafelder, die man beliebig erweitern, löschen oder umsortieren kann. Die Ausgabe eines Metafeld-Inhalts erfolgt dank des objektorientierten Frameworks mit einer einzigen Codezeile. Diese mühelose Erweiterbarkeit sowohl inhalts- wie seitenspezifischer Felder ist so in vielen anderen CMS nicht zu finden.

Metafelder existieren nicht nur auf Artikel-/Seitenebene, sondern auch für Kategorien (die die Website-Struktur steuern) und für den Medienpool. So könnte z. B. auch im Medienpool rasch ein Metafeld hinzugefügt werden, um den Namen eines Fotografen zu speichern.

Templates und Spalten

Das Grundgerüst einer Website wird bei REDAXO in so genannten Templates verwaltet; beispielsweise unterschiedliche Templates für ein Ein- oder Zweispalten-Layout oder für eine Startseite. Diese Templates kann der Redakteur für jede Seite individuell wählen, sofern der Administrator ihm diese freischaltet. Der Administrator kann außerdem die Verwendung von Templates - und Metafeldern – auf bestimmte Kategorien begrenzen. Templates wiederum können beliebig viele Spalten – oder besser: Inhaltsbereiche – haben. Im klassischen Fall sind dies natürlich Spalten, aber auch Header- oder Footerbereiche wären mittels „Spalten“ sinnvoll zu pflegen.

AddOns

Sollen Daten verwaltet werden, die durch Inhaltsmodule nicht mehr sinnvoll verwaltet werden können, wie z. B. eine umfangreiche Adress-Datenbank, bietet das System eine API zur Entwicklung von AddOns. Dem Entwickler stehen bei der AddOn-Programmierung zahlreiche PHP-Klassen und Funktionen zur Verfügung, um verschiedenste Formularfelder zu realisieren oder Datensätze aufzulisten, zu paginieren, etc. AddOns dienen jedoch nicht nur der Datenverwaltung, sondern übernehmen auch völlig eigene Frontend- oder Backend-Funktionen; es gibt z. B. die AddOns Suchfunktion, Newsletter, Versionierung oder einen Formular-Editor. Dank des Xform-AddOns kann man mittlerweile sogar Datenverwaltungen per Maus „zusammenklicken“ und muss für die Datenverwaltung keine Zeile Code mehr schreiben.

REDAXO 5

Neben der derzeit aktuellen Version 4.5 existiert eine Version 5 im Beta-Status, die in weiten Teilen neu geschrieben und besser updatefähig gemacht wurde. Selbst fundamentale Core-Funktionalitäten wie die Userverwaltung, die Seitenstruktur oder der Medienpool zur Verwaltung von Bildern und Downloads wurden voneinander getrennt in AddOns ausgelagert, was den CMS-Core sehr schlank hält: Nicht benötigte AddOns werden deaktiviert oder gar nicht erst aktiviert. Die konsequente Trennung des kompletten CMS in AddOns in der kommenden Version 5 hat zudem den Vorteil, dass nun Online-Updates mit Sicherheitsmechanismen wie zum Beispiel Rollbacks möglich sind.

Populäre REDAXO-Websites

Eine Zeitlang wurde REDAXO beworben als System für eher mittelständische Websites. Dies lag vor allem daran, dass es standardmäßig keine Funktionen für große Redaktionsteams gibt, wie z. B. einen komplexen Publikations-Workflow oder Rollenrechte. Derartige Erweiterungen können jedoch mit vertretbarem Aufwand entwickelt werden, wie man an mächtigen Portalen, z. B. der Börse Stuttgart, der Zeitschrift Mare, der Online-Meta-Buchhandlung Kommbuch mit einem täglich synchronisierten, gewaltigen Datenbestand oder an einem Immobilienportal sieht, wo Verkäufer Anzeigen einstellen und selbst verwalten können.

Der Webauftritt von Reinhold Messner demonstriert, dass sich REDAXO auch für optisch ansprechende Websites mit schlankem HTML-Code eignet. Selbst komplexe Shops mit Warenwirtschaftsanbindung und Kundenverwaltung wurden schon – wie im Falle von Livipur – erfolgreich mit diesem CMS realisiert.

Die Website des großen österreichischen Hotels Peternhof präsentiert sich bildgewaltig, während der Wim Wenders-Kameramann Franz Lustig zahlreiche Filme zeigt. Und auf dem Immobilienportal Schweden-Immobilien können sowohl private Verkäufer als auch Makler zu unterschiedliche Konditionen selbst ihre Angebote einstellen und verwalten.

Intranets und andere Verwendung

Durch seine offene Architektur wird das System nicht nur als klassisches CMS verwendet, sondern auch als Steuerzentrale für zahlreiche andere Anwendungen. So existieren zum Beispiel auf REDAXO basierende Intranets, Communities oder geschützte Loginbereiche. Als ein weiteres Beispiel einer Webapplikation wäre das kurz vor Veröffentlichung stehende PROZER zu nennen, eine auf REDAXO basierende und als AddOn realisierte, vollwertige Agentur-Software zur E-Mail-Kommunikation, Projekt- und Kundenverwaltung inklusive Projekt-Kalender und Zeiterfassung. Durch die Integration von CardDAV und CalDAV werden Adressbuch und Kalender auf lokalen Rechnern oder auf mobilen Devices synchronisiert.

Das Bemühen des Entwicklerteams, im Lauf der Jahre mit immer weiteren Updates ein sehr offenes System zu schaffen, an das und mit dem man gut an andere Systeme andocken kann, hat sich bewährt: REDAXO kann eine solide Basis bilden, um leistungsfähige Applikationen im Webbrowser aufzubauen. Um das wahre Potential dieses CMS nutzen zu können, sollte der Webentwickler jedoch mindestens Grundlagenwissen in PHP, MySQL, HTML und CSS mitbringen.

Dokumentation

Auf der REDAXO-Website existiert sowohl eine grundlegende Dokumentation als auch eine Referenz des objektorientierten Frameworks und der Extension Points. Eher an die Einsteiger wenden sich die Tutorials, die grundlegende Dinge wie das Erstellen einer Navigation oder Modulausgaben an konkreten Beispielen erläutern. Ein Wiki dient zur Vorstellung konkreter Problemlösungen; auch Tipps und Tricks sind dort zu finden.

Im Downloadbereich sind zahlreiche Codebeispiele für Module und Templates zu finden, wobei Entwickler mit zunehmender Erfahrung kaum mehr auf diese Downloads zurückgreifen werden, sondern sich ihre Module und Templates sehr schnell selbst erstellen können. Außerdem stehen über 200 AddOns zum Download bereit, darunter so populäre wie ein WYSIWYG-Texteditor, ein geschützter Loginbereich oder ein Developer-AddOn zum dateibasierten Bearbeiten der Module und Templates.

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